Cowes-Week Sommer Flottillen-Törn 2006 des SCRS
Eine Bildreportage von Rudolf Augustin
Betrachtet man die weiten der Ozeane war unser SCRS Sommer-Törn sicherlich ein kleiner Schritt für die 21 Mitsegler/innen auf unseren fünf unterschiedlichen Schiffen, gemessen an der Vorbereitung und Durchführung unseres Cowes-Week Flottillen-Törns war es aber ein großer Schritt für alle Teilnehmer, rund 1.000 Seemeilen in 17 Tagen zurückzulegen und dabei den 0° Längengrad zweimal zu überqueren und den Start der legendären Cowes-Week Regatten zu erleben.
... ablegen ... man muss es wagen .... immer wieder!
Ziel unseres Törns war der Start der Cowes-Week im Solent, dem Mekka des Segelsports in den Gewässern zwischen der englischen Südküste und der Isle of Wigth. Hierzu war ein Langstreckentörn vom holländischen Ijsselmeer durch den Englischen Kanal geplant, der uns über den 0-ten Längengrad in die Hochburg des internationalen Yachtsports führte. Dieser Törn wurde von ehemaligen SKS - Teilnehmern über sieben Monate sorgfältig vorbereitet und gewissenhaft geplant.
Um es Vorweg zu sagen, wir durchsegelten nicht nur schwierige Gewässer, sondern auch unterschiedliche Wetterlagen, dennoch - die folgende Wetterlage hatten wir nicht:

Hingegen war der Komfort, die Bequemlichkeit und der Service auf unseren großen Schiffen eher so wie hier an Bord ...

... dagegen war es auf den kleineren Schiffen wesentlich anstrengender und bescheidener, also eher so ...
Aber beginnen wir mit den Fakten:
Unser Törn begann in den verschiedenen Ausgangshäfen des Ijsselmeeres, Sammelpunkt der Flotte und gemeinsamer Törnstarts war der Schleusenhafen von Den Oever. Von hier sollte es mit ablaufendem Wasser und einem Tages-Zwischenstopp in Ijmuiden nonstop in den Solent gehen.

Die Monatskarten zeigten uns die zu erwartenden Winde, die für Hinfahrt Amwindkurse erwarten ließen und für die Rückfahrt achterliche Winde bringen sollten.
Nach dem Verproviantieren der Yachten, dem Schiffcheck und der Sicherheits- und Bordeinweisung konnte es endlich los gehen. Alle Leinen los und ein – Schiff ahoi ...

Während vier Schiffe bereits in Den Oever einliefen, warf die CYGNUS spät am Abend ihre Leinen in Lemmer los und startete ihre erste Nachtfahrt um bei Sonnenaufgang zeitgerecht im Schleusenvorhafen von Den Oever einzulaufen.

Pünktlich um 6 Uhr morgens schleuste die Flotte in die holländische Wattensee aus.

Mit mitlaufendem Strom ging es bei moderaten Wetterbedingungen durch das betonnte Wattfahrwasser vorbei an Den Helder durch das Schulpengatt auf Südkurs in die südwestliche Nordsee.

Erstes Tages- und Etappenziel war die Seaport Marina Ijmuiden um einen lockeren und stressfreien Törneinstieg zu gewährleisten.

Wo unser erstes gemeinsames Crewtreffen zum weiteren Törnablauf stattfand.

Einige Skipper zeigten anscheinend noch eine gewisse Skepsis ...

... andere schlugen bereits die Hände über den Kopf ...

... und nachdem das letzte Bierfass geleert war ging es erst einmal in die Koje.

Der Törnplan für den langen Schlag nach England stand fest und mit dem einsetzen der richtigen Tide sollte es nun wirklich losgehen.

Aber erst einmal musste kräftig gefrühstückt werden, denn nicht nur die Fische waren hungrig.

Dann ging es aber tatsächlich los auf unseren 70 Stunden Schlag mit der SCRS Flotte.

Seemänner und Seefrauen standen erwartungsvoll an der Schot und am Ruder.

Die Navigation erforderte ebenfalls vollen Einsatz in den verkehrsreichen Tidengewässern.

Und die Flotte setzte sich gemeinsam in Bewegung mit Kurs zur Südküste Englands.

Wir passierten das viel befahrene Maasgeul, die Einfahrt zum Europort nach Rotterdam.

Und segelten in die erste gemeinsame sternklare Flottillen Nacht.

Am nächsten Morgen ging es entlang der holländisch- belgischen Küste und wir steuerten gegen Abend direkt in unser erstes Seenebelfeld ....

... mitten in die stark frequentierte Tiefwasserankerreede von West-Hinder.

Es war durchaus spannend wie wir uns durch das Feld der Nebelhorntönenden Ankerlieger bewegten, uns per Funk verständigten und von unserem Radarauge der CYGNUS geleitet wurden.

Aber die Flottille blieb eng zusammen und so steuerten wir direkt durch unser erstes Verkehrstrennungsgebiet und erreichten bald darauf unser nächste VTG – die verkehrsreiche Straße von Dover.

Zu unserem Stop over in Dover, erwarteten wir das kentern der Tide.

Als die Tide zu unseren Gunsten kenterte sammelte sich die Flotte zur gemeinsamen Weiterfahrt.

Entlang Englands Südküste ging es über die Bucht von Hastings in die nächste Nachtfahrt.

Das Rendezvous mit den Leuchtfeuern ähnlicher Kennung führte die CYGNUS direkt zum Leuchtturm „Royal Sovereign“, den die anderen Schiffe aber weiträumig umfuhren und das Kap Beachy Head punktgenau ansteuerten.

Danach folgte die Überquerung des 0° Längengrades von Greenwich in westlicher Richtung.

Der nächste tidenbedingt Zwischenstopp führte uns in die
Edelmarina von Brigthon.
Hier warteten wir noch einmal auf das Kentern der Tide und nutzten die Zeit zu einer Crew- und Skipperbesprechnung.

Nachdem der Strom in unsere gewünschte Richtung setzte ging es in Begleitung von Delfinen weiter Richtung Isle of Wigth - Kurs West ...

unserem ersten Törnziel, dem englischen Segelrevier des Solent entgegen ...

... und am späten Nachmittag erreichten wir den Hafen von Portsmouth, wo wir in der Haslar-Marina in Gosport festmachten.

Die Einsteuerung bereitete keine Probleme und so verholten wir zu unseren zugewiesenen Liegeplätze.

Nächstentags führte unser Törn mit der grün-weißen Portsmouth Fähre in das Marinemuseeum von Portmouth.

Wo die glorreichen Schiffe der britischen Admiralität zu besichtigen waren ...

... das englische Lager uns erfreute, wir die Stadt erkunden konnten und der Spinaker-Tower bestiegen werden konnte,

von welchem ein interessanter Blick auf uns wartete.

Die Nacht war kurz und hochprozentig, aber mit der aufgehenden Sonne hieß es wieder „Leinen los“ zu einer Hafenrundfahrt.

Vorbei am Marinepier mit den Zerstörern und Fregatten der britischen Marine ...

um anschließend gegen Wind und Strom in den Solent einzusteuern ...

um gegen die Naturgewalten von Rasmus und Tide Richtung Cowes auf zu kreuzen.

Wo wir anschließend in den Medina River einsteuerten um einen der letzten freien Liegeplätze für unsere Flotte zu suchen.

Mit Kettenfähre und Dingi ging es anschließend in die City von Cowes um die Pubs zu erstürmen, bevor es Nächstentags weiter ging, als die Cowes-Week angeschossen wurde.

Wir versuchten uns im Regattageschehen erfolgreich zu beteiligen und segelten zwischen den diversen Bootsklassen kreuz und quer ohne selbst übermangelt zu werden.

Viele Schiffe waren unter vollen Segeln unterwegs und einige Yachten hatten nicht nur Spinakerprobleme ...

... andere fuhren ohne Probleme gleich zwei davon und die Regattafelder segelten uns davon.

Wir trieben die Regattafelder vor uns her als sich wieder einmal die Sicht verschlechterte ...

und erreichten am späten Nachmittag den überfüllten Hafen von Lymington.

Wo wir unseren Getränkevorrat lenzten und die Steuersäule der CYGNUS zerlegten.

Nach langer Diskussion gaben wir unser ehrgeiziges Ziel - der Ansteuerung der Channel Islands auf und planten für den nächsten Tag die Umrundung des Westkaps der Isle of Wigth.

Genaue Navigation war gefordert als wir mit dem letzten ablaufenden Wasser den Solent verließen um nach der Umrundung der Needles wieder mit der Tide auf Ostkurs gingen.

Mit vollen Segeln ging es entlang der Südküste der Isle of Wigth, wir rundeten St. Catherins Point bei herrlichem Segelwetter ...

... kreuzten das Fahrwasser der Großschifffahrt des Nab-Towers ...

und erreichten zur Dämmerung sicher die Einfahrt nach Newhaven. Wo wir eine feuchtfröhliche Nacht verbrachten und neue Energien tankten.

Pünktlich zum Sonnenaufgang verließen wir den Hafen von Newhaven und segelten mit mitlaufendem Strom nach Osten, querten erneut das Verkehrstrennungsgebiet beim Kap Dungeness ....

und erreichten die französische Küste bei Boulonge-sur-Mer ...

wo wir mitten in der Stadt einen Liegeplatz im überfüllten Hafen fanden.

Da die Tiefdruck-Wetterlage uns nicht zum Auslaufen verführen konnte, ließen wir uns ersatzweise von der französischen Küche verführen.

Anderentags starteten wir zur Weiterfahrt um die vor uns liegenden wellenbewegten Caps Griz Nes und Blanc Nes.

Die See bewegte nicht nur unsere Schiffe sonder auch einige Gemüter und die Wellen ließen unsere Yachten zeitweise in den Wellentälern gänzlich verschwinden.

Einige Mitsegler fütterten die Fische und andere sackten vor totaler Erschöpfung zusammen.

Dennoch blieb die Flotte zusammen und umrundete Calais um anschließend in das betonnte Küstenfahrwasser einzulaufen.

Gegen Abend erreichten wir nach einem Gewitterdurchzug den schützenden Passantenhafen von Dünkirchen.

Pünktlich vor Sonnenaufgang liefen wir wieder aus und querten die untiefen, gefährlichen flämischen Bänke.

Kreuzten erfolgreich an der belgischen Küste entlang ...

vorbei an den belgischen Häfen Newpoort, Oostende und Blankenberge.

Und erreichten den Seehafen von Zeebrügge, wo wir ...

im königlichen Yachtclub unsere Liegeplätze fanden.

Die Wetterlage war durch eine Troglage immer noch nicht beruhigt und dennoch starteten wir am nächsten Morgen zu unserer bewegten Weiterfahrt.

Kreuzten die verkehrsreiche Westerschelde und segelten Richtung Süd-Holland.

Nach dem queren der Schelde Schifffahrtswege sollte es ruhiger werden ...

aber die bewegten Wellen blieben und auf der OLESSA brach das Oberwant.

So beschlossen wir gemeinsam den Hafen von Stellendam anzusteuern.

Nach der Schadensbegutachtung und einer Notreparatur setzten wir am nächsten Tag unsere Rückfahrt fort.

Querten abermals den Schifffahrtsweg nach Rotterdam und erreichten gegen Mitternacht Ijmuiden. Wo sich die Flotte trennte. Die kleineren Schiffe setzten ihre Fahrt durch den Noordzeekanal zum Ijsselmeer fort, während die CYGNUS die Offshore Strecke außen herum wählte.

Alle Schiffe erreichten am letzten Törntag ihre Heimathäfen im Ijsselmeer und ein anspruchsvoller Segeltörn ging glücklich und ohne ernsthafte Schäden zu Ende.

Der Törn des Segel-Club Rhein-Sieg - mit fünf Schiffen [CYGNUS (Bavaria-46), OLESSA (Lady Helmsman), BLUE SKY (Compromis 888), KESTRELL (Dehler 28S), ZWAANTJE (Etap 26i)] und 21 Mitsegler/innen ging in 17 Tagen vom niederländischen Ijsselmeer zum englischen Solent und rund um die Isle of Wight. Ein Flottillen-Segeltörn von Holland über Belgien und Frankreich an die Englische Südküste und zurück bei wechselnden Wetterlagen und starken Gezeitenströmen im verkehrsreichen Fahrwasser der Großschifffahrt. Ein erlebnisreicher und anspruchsvoller Törn den es sicherlich nicht alle Tage geben wird und der - so wie er verlaufen ist - auch gewiss nicht wiederholbar ist und dennoch unvergesslich bleibt.