SKS – Praxis Mitsommer-Segeltörn des SCRS

 

Am Freitag den 1. Juni 2007 traf die Crew des SBF-See und SKS-Kurses 06/07 des Segel-Clubs Rhein-Sieg zur Übernahme ihrer Segelyacht NAVIS im alten Handelshafen von Laboe an der Ostsee ein. Nach dem Schiffscheck, dem Bezug der Kabinen, der Verproviantierung und der Bordeinweisung starteten wir bei moderatem NE-Wind und guten Wetterbedingungen zu unserem Sport-Küsten-Schiffer-Praxistörn in die Kieler Bucht - Richtung Dänemark.

Endlich konnte man die gelernte Theorie in die Praxis umsetzen. Jetzt zeigte sich wie sich ein Kurshalter zu verhalten hatte und die in diversen Übungsaufgaben vorkommenden Tonnen, Kleversberg Ost und Stollergrund N gab es tatsächlich auf See, und so sah also der Kieler Leuchtturm in Wirklichkeit aus. Viel Schiffsverkehr war auf der Kieler Förde unterwegs und so konnte man die KVR und die SeeSchStrO praxisgerecht anwenden – aber wo galt denn noch einmal was?

Wir querten das Fahrwasser und segelten zwischen den Leuchttürmen Bülk und Kiel Kurs Nord. Interessant waren sicherlich auch unsere Regattaambitionen die wir bereits bei unserer Überfahrt durch die Kieler Bucht nach Sønderborg zeigten. Jede Yacht auf parallelem Kurs wurde zur Herausforderung und wir blieben meist Vorneweg.

Bei der Ansteuerung der Flensburger Förde wurde es wieder spannend, terrestrische Navigation war gefragt und das folgende Einlaufen in den gutbesuchten Stadthafen von Sønderborg war ein Erlebnis bei bestem Seglerwetter.

Die anschließende Fahrt durch den beschaulichen Alssund wurde durch Jörgs köstliches Mehrgänge-Menü gekrönt. In der Dyvig auf der Insel Als suchten wir einen einsamen Ankerplatz, aber wir waren leider nicht die einzigen, die diese versteckte Bucht tatsächlich fanden. Anderntags ging es mit Nord-Kurs in den Kleinen Belt wo wir in Årø auf Jütland Zwischenstation zum Üben von Hafenmanövern machten. Auf der Fahrt von Årøsund nach Middelfart zeigten wir der uns herausfordernden nagelneuen Elan 446 wo achtern ist. Unsere Crew war stolz und freute sich, was auf der ELAN allerdings zur großen Enttäuschung führte. Durch den Fænø Sund erreichten wir Middelfart, wo wir im alten Stadthafen übernachteten.

Hier hätten wir noch leckere Krabbenbrötchen für die Fahrt ins Kattegatt kaufen können, aber die Praxis-Segel-Manöver-Übungen im Kleinen Belt vor Fredericia waren wichtiger. Anschließend begann unsere 24 Stunden Nachtfahrt nördlich um Fünen durch das Kattegat. Bei der nächtlichen Einsteuerung in den Großen Belt südlich der Insel Samsø kam wieder Spannung auf. Lichter mussten identifiziert und Leuchtfeuer ausgezählt werden, zudem reichte der Kontakt mit der Großschifffahrt bis zur Tuchfühlung. Als wir bei völliger Dunkelheit am Rande des Tiefwasserweges wieder Kurs-Süd segelten, begegneten wir so manchem Handelsschiff. Aber als die große Stena-Line mit schneller Fahrt von achtern aufkam und uns deutlich ihr GRÜN - ROT zeigte erhöhte sich nicht nur der Blutdruck unserer Mannschaft. Die Skandinavienfähren hätten uns aber auch gerne eine leckere kalte Smørgos-Platte herüberreichen können, die übermüdetet Crew hätte sich sehr darüber gefreut, es blieb aber nur bei einer kalten Dusche durch deren Heckwelle und schon waren wir wieder allein unterwegs, zielgenau auf die große Brückendurchfahrt zuhaltend. Bei der anschließenden Brückendurchfahrt durch die „Große Belt Brücke“ waren wir Segler mit dem russischen Großsegler „MIR“ unter uns und die Großschifffahrt lies uns alleine passieren. Die tückischen Untiefen vor Langeland umschifften wir ebenfalls erfolgreich und gegen Mittag steuerten wir von Osten in den idyllischen Svenborg Sund ein.

Die relativ starke Strömung war aber gegen uns und wir hielten uns sehr genau an die Richtfeuerlinien durch den landschaftlich schönen Sund. 24 Stunden Seefahrt lagen mit einem Etmal von 138 Seemeilen hinter uns.

Das im Königreich Dänemark an diesem Tag ein Feiertag war, konnte keiner von uns ahnen und so kehrten die an Land gegangenen Provianteinkäufer erfolglos zurück. In Svendborg blieben wir im Stadthafen zur Über­nachtung und erholten uns von unserer Nachfahrt. Nachdem unser Ølfass angezapft und erst halb ausgetrunken war, ging es aber schnell in die Kojen. Am nächsten Tag gingen die Trainingseinheiten mit den Manöver-Übungen im Hafen weiter. Anschließend sollten wir noch die Nord-Kardinaltonne vor der Hafeneinfahrt näher kennen lernen, ehe es mit Westkurs wieder aus dem Svendborgsund hinausging. Die Fahrwasser erforderten äußerste Konzentration und beim Entgegenkommen von Fähren konnte es durchaus auch einmal sehr Eng werden. Als das Wasser wieder frei wurde, übten wir nicht nur wie bisher das Beidrehen, sondern auch ein reales „Mann-über-Bord“ Manöver.

Die dänische Südsee, in der man gerne länger bleibt, kam leider ein wenig zu kurz, denn unser Übungs- und Prüfungsgebiet in der Kieler Förde zog uns wie magnetisch an. So zogen wir an der idyllischen Inselwelt die mit recht den Namen Südsee verdient, segelnd vorbei. Liesen das malerische Ærøskøping an Backbord liegen und querten die Kurse einiger Traditionsschiffe Richtung Leuchtturm Skjoldnæs.

Dennoch war der kurze Abstecher nach Søby auf Ærø noch ein guter Abschluss unserer Dänemarkreise. Und das Ablegen unter Segeln zwischen den einlaufenden Fähren machte einen besonderen Spaß, bevor wir ohne die bequeme GPS Navigation, terrestrisch mit der klassischen  Koppel­navigation Richtung Kiel Leuchtturm segelten. Eine Herde Schweinswale war auf diesem Kurs unsere Begleiter. Die illuminierende Nachtansteuerung der Kieler Förde und des Olympiahafens war sicherlich noch ein krönender Abschluss unseres „Rund Fünen“ Sport-Küsten-Schiffer Mitsommer-Törns.

Die anschließende Nacht war dann ja auch recht kurz und verdammt feucht. Die Sonne war längst aufgegangen als wir fröhlich in die Kojen krochen. Der Start Nächstentags zu den Trainingsmanöverfahrten wollte deshalb auch noch nicht so recht in die Gänge kommen.

Das Zusammenspiel der Crew und die Aktionen glichen anfangs eher einem disharmonie­bedürftigem nicht ausgeschlafenem Orchester. Erst langsam spielten wir uns ein, der Feinschliff zog sich hin und das Finale mit der strengsten Prüferin an den deutschen Küsten, Frau Jansen (Hafenmanöver unter Segeln) war dann tatsächlich ein voller Erfolg. Allerdings beobachtete ich wesentlich mehr Fehlverhalten als unserer Prüferin auffielen, und ich versuchte sie davon gezielt abzulenken. Ob Sie unseren Plan der abgesprochenen und eingespielte Aufgabenteilung durchschaute und beinahe Hartmut zur falschen Hafeneinfahrt zurückfahren lies, könnte man fast meinen.

So manche Sorgenfalte bildete sich bei mir und als schließlich der bauchge­bundene Palstek misslingen sollte, wäre ich beinahe in das Hafenbecken gesprungen.

Gut das man mit den Jahren Altersmilde wird und noch besser, dass alle die Praxis-Prüfung dennoch erfolgreich bestanden haben.

Die anschließende Rückfahrt nach Laboe war dann noch einmal Segeln in „Rheinkultur“ mit über 8 Knoten segelten wir über die Förde und für ein „Besan-Schot-an“ blieb auch noch Zeit. Als dann der Taucher unser Schiff abtauchte, wir das Schiff räumten und auscheckten, um in Kiel City, im Museumshafen an der Innenförde - natürlich auf einem Schiff - unseren Törn und die bestandenen Prüfungen zu feiern, erwartete uns noch einmal eine kurze und feuchte Küstennacht.

 

Unsere sieben Ostsee SKS-Segeltage vergingen leider viel zu schnell, viele Erkenntnisse, einmalige Erlebnisse und eine zauberhafte Natur bleiben zurück. Wir werden diesen „Rund Fünen“ Segeltörn sicherlich noch lange in Erinnerung behalten.

Schiff Ahoi und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel wünscht allen Seglern die Sport-Küsten-Schiffer-Crew der Segelyacht NAVIS des SCRS.

Törnbericht von Andreas Heiden

 

Am Ende der langen, aber sehr interessanten theoretischen Vorbereitung auf die SBF- See und SKS Prüfung und die „anspruchsvolle“ praktische SBF- Seeprüfung war ich schon sehr gespannt auf den SKS- Praxistörn mit abschließender Prüfung in Kiel.

Freitagabend, nach einer sehr kurzweiligen Fahrt mit Ziel Laboe, war es endlich soweit. Unser Boot, die „Navis III“, lag tatsächlich in der Box und der aufregende Törn mit „Rudi dem Seemeilenfresser“ konnte beginnen. Doch halt, vor dem Vergnügen steht ja meistens erst mal Arbeit und so stand nach dem Ausladen der Autos zuerst Einkaufen an. Denn bekanntlich brauchen ja gerade Seeleute etwas Vernünftiges zu essen und – manchmal noch wichtiger- etwas zu trinken. Alles konnte Gott sei Dank in ausreichendem Maß besorgt werden und so stand unserem ersten Abendessen und unserer ersten Nacht auf dem Wasser (leider nur in der Hafenbox) nichts mehr im Weg.

Nachdem wir doch noch recht lange zusammen gesessen hatten wurde ich am Samstagmorgen durch unglaubliches Gepolter mit anschließendem Gebrüll geweckt. Meiner ersten Befürchtung über eine Karambolage mit einem anderen Boot folgte schnell die Erkenntnis, dass man auf sehr unterschiedliche Art und Weise Rücksicht beim Aufstehen nehmen kann.

Sei es drum, nach dem Frühstücken hieß es an diesem Morgen Leinen los und ablegen. Dies war sofort mit lehrreichen Unterweisungen durch unseren Skipper Rudi verbunden. Dann ging es los in die Kieler Förde, auf nach Dänemark!

Da ich bisher nur auf Binnengewässern segelte, war es ein herrliches Gefühl zu erleben wie sich unser Boot auf See verhielt. Meine Befürchtung bezüglich des Themas Seekrankheit erwies sich zumindest auf diesem Törn als unbegründet.

Zunächst steuerten wir Sønderborg an. Die Einfahrt in den Stadthafen von Sønderborg und das Warten vor einer geschlossenen Brücke erfolgte wieder unter Motor, was mir nach der tollen Fahrt unter Segeln schon seltsam vorkam. Im Stadthafen war aus irgendeinem Grund Party (vermutlich wegen Samstagnach­mittag bzw. –abend) angesagt und es war lustig die Leute vom Wasser aus zu beobachten. Interessant war auch das Anlegemanöver eines alten Zweimasters an einem Päcken, gerade in Bezug auf das Überbringen der Festmacher an Land, was zu intensiven Kletteraktionen der Besatzung führte.

Weiter ging es durch den Alssund wobei wir wieder Segel setzten konnten. Jörg verwöhnte uns bei dieser beschaulichen Fahrt mit einem köstlichen Abendessen, sodass wir uns danach wieder ganz auf die Einfahrt zu einem Liegeplatz konzentrieren konnten. Da die wenigen Stegliegeplätze in dieser „einsamen Bucht“ völlig überbelegt waren, konnten wir zu meiner großen Freude tatsächlich eine Nacht vor Anker verbringen, was ich persönlich als tolles Erlebnis empfunden habe.

 

Am Sonntagmorgen ging es dann, getrieben von einem unruhigen Rudi, weiter in den kleinen Belt nach Årø auf Jütland, wo wir nach einer erfrischenden Dusche intensiv im Hafen Manöver geübt haben und uns Rudi ganz anders als im Zeitdruck des morgendlichen Aufbruchs (ist ein Frühstück wirklich notwendig, ist ja schon ganz schön spät!) in aller Ruhe und mit einer Engelsgeduld die An- und Ablegemanöver erklärte sowie üben ließ.

Fazit: Erst wenn auf einem Törn ein Boot in Fahrt ist (also nicht auf Grund sitzt oder vor Anker oder an Land festgemacht ist) ist Rudi wirklich ruhig!

Da es ja noch früh am Tag war, sind wir weiter von Årø nach Middelfart gesegelt und haben dabei einer Elan mit einer vollkommen übermotivierten Crew gezeigt, wie die „Navis III“ von hinten aussieht. Dies funktionierte zwar ehrlich gesagt nur aufgrund der taktischen Finessen von Rudi, hat aber wirklich Spaß gemacht.

In Middelfart übernachteten wir dann im Stadthafen, wobei wir aber aufgrund der späten Ankunft und dem daher erst spät erfolgten leckeren Abendessen von Wolfgang, leider nichts von der Stadt gesehen haben. Allerdings hatten diesmal wir, aufgrund der Päckchenlage an einem alten Fischkutter, kleinere Kletterpartien beim Anlegen zu bewältigen. Dafür konnten wir uns von den Fahrtensegler­qualitäten eines Mitgliedes der DSV- Kreuzerabteilung überzeugen. Dieser hatte nämlich seglerkameradschaftlich „vorbildlich“ keine Fender an seiner freien Seite ausgebracht um, ungestört von einem Päckchenlieger, seinen Rotwein in Ruhe genießen zu können!

Am Montagmorgen wurden wir von unserem ruhelosem Rudi (wann schläft der eigentlich?) zum Üben in den kleinen Belt getrieben. Auch hier konnten wir wieder in aller Ruhe (außer dem kreuzenden Verkehr) und mit zahlreichen kleinen Tricks aus Rudi´s Erfahrungsschatzkiste viel für die Prüfung und auch das sonstige Segelleben lernen. Nachdem wir alle ausführlich die notwendigen und wichtigen Manöver fahren konnten, ging es vorbei an einer sehr schönen Landschaft auf zu unserer Nachtfahrt um Fünen durch das Kattegatt. Es war sehr spannend zu erleben wie es langsam grau wurde auf See und damit die Sicht auch sehr unwirklich und erst mit richtiger Dunkelheit die Orientierung wieder leichter fiel. Jetzt konnten wir erleben, dass die befeuerten Seezeichen und die Schiffsbe­leuchtungen zumindest bei gutem Wetter klar zu erkennen sind. Wir hatten in der Nacht einige Schiffsbegegnungen zum Teil bis auf ca. 150m Distanz zu unserem Boot. Ganz schön groß so eine Fähre!

Die Brückendurchfahrt durch die „Große Belt Brücke“ im Morgengrauen war für mich besonders interessant, da die beleuchtete Brücke im Laufe der Ansteuerung zumindest zeitweise im grau in grau des Morgens einfach verschwand. Also dann eben ohne Sichtkontakt, stur nach Kompass weiter in die Richtung bis die Brücke hoffentlich irgendwann wieder zum Vorschein kommt. Und sie kam wieder in Sicht und aus der anderen Richtung der russische Großsegler „MIR“. Schon ein imposanter Anblick wenn so ein Großsegler unter einer Brücke durchfährt und man glaubt, dass die Mastspitzen jeden Augenblick an der Fahrbahn hängen bleiben.

 

An diesem Dienstagmorgen ging es weiter um Langeland bis nach Svendborg wo wir im Stadthafen gegen Mittag eintrafen. In kleinen Gruppen entdeckten wir die Stadt und trafen uns dann am Abend wieder an Bord zum Essen, Reden und Trinken. Da der Stadthafen direkt gegenüber eines Werftgeländes liegt auf dem auch ältere Schiffe repariert bzw. restauriert werden, gab es doch das ein oder andere zu sehen. Im Hafen selber lag das Schiff, mit dem Wilfried Erdmann die Preisworträtselgewinnerüberfahrt über den Atlantik gemacht hat. Unter anderem hierzu hatte Rudi die ein oder andere seglerische Anekdote zu erzählen.

 

Am Mittwoch übten wir nach einem wieder viel zu späten Frühstück (lt. Rudi) erst im Hafen noch das ein oder andere Manöver, um dann weiter durch den Svendborg Sund Richtung dänische Südsee auszulaufen. Hier galt es ein wenig aufzupassen, denn genau in der Höhe von Svendborg wechselt die Fahrwasserbetonnung. Aber eigentlich kein Problem, denn unser bester Hilfsskippy stand ja am Ruder und nahm die Anweisungen unseres Navigators gelassen entgegen.

Ich war gerade unter Deck um noch einige Dinge zu verstauen, da hörte ich erst ein kratzendes Geräusch an der Außenwand und spürte dann einen satten Ruck und – wir saßen auf Grund. Da ich im ersten Augenblick an eine Kollision dachte, sprang ich hoch an Deck und konnte so miterleben, wie geschickt und erfahren uns Rudi aus dieser misslichen Situation schnell befreite. Motor an, rückwärts- vorwärts- rückwärts- vorwärts- das Boot durch ausbaumen und belasten mit Crewmitgliedern auf die richtigen Seite geneigt und schon waren wir wieder frei. Die Aufregung legte sich schnell wieder, da ja Gott sei Dank nichts tragisches passiert war und es ging weiter Richtung der Insel Ærø genauer gesagt zum Hafen Søby.

Auf dem Weg dorthin haben wir in der dänischen Südsee bei geringem Wellen­gang sowie gutem Wetter ein Mensch-über-Bord-Manöver mit einer freiwilligen echten Versuchsperson durchgeführt. Ziel war, aus der Sicht des Betroffenen geschildert zu bekommen, was es für ein Gefühl ist, wenn das Boot, das einem helfen soll, sich erst einmal 5-6 Bootslängen entfernt. Auch wir an Bord gebliebenen konnten erkennen, dass eine Person (trotz auffälliger Rettungsweste) auch bei ruhiger See sehr schnell sehr klein wird.

Innerhalb kurzer Zeit hatten wir unseren mutigen Wolfgang jedoch wieder an Bord, wobei er ja nicht ohnmächtig war, sondern uns gut unterstützen konnte. Nicht auszudenken wenn dieselbe Situation mit einer ohnmächtigen Person Realität geworden wäre, dann hätten wir richtig kämpfen müssen. Doch Gott sei Dank ist außer einem Garantieschaden (Wassereinbruch an Wolfgangs Uhr) nichts weiter passiert ist. Wolfgang konnte berichten, dass es ein sehr seltsames Gefühl ist, wenn das Boot erst einmal eine ganze Zeit weiter geradeaus läuft und sich immer weiter entfernt bis dann das Rettungsmanöver sichtbar einsetzt.

Im Verlauf der Fahrt nach Søby stellte sich dann heraus, dass unser Rudi noch eine kleine Überraschung für uns parat hatte. Er wollte auf jeden Fall noch bis nach Kiel in den Olympiahafen damit wir zumindest den Donnerstag noch komplett zum Üben in dem Seegebiet hätten, in dem auch die Prüfung abgenommen würde. Also gesagt getan, wir haben nur eine kleine Pause in Søby eingelegt, wobei zumindest meine zwei Landgangbegleiter und ich, aufgrund der urigen Kneipe, mindesten einen ganzen Abend hier hätten verbringen können. Aber der Törn war schließlich nicht nur unserem Vergnügen, sondern eigentlich ja der Ausbildung und Abschlussprüfung gewidmet.

Und so ging es los nach Kiel, aber damit es nicht zu langweilig wird eben ohne GPS- Navigation, nur mit der klassischen Koppelnavigation. Dies war auch sehr gut so und übte uns ja nur. Beeindruckend war die Begegnung mit einer Herde Schweinswale. Recht mühsam gestaltete sich jedoch die Nachtansteuerung von Kiel, da wir aufgrund der intensiven Landbeleuchtung Schwierigkeiten hatten die Gefahrentonne Stollergrund zu erkennen. Da ich am Ruder war und auf der Heckbank stand, glaubte ich zweimal durch die Wanten das Lichtsignal entdeckt zu haben, was aber durch drei Mitstreiter im Cockpit jeweils verneint wurde. Erst als ich zum dritten Mal an demselben weißen Lichtzeichen hängenblieb, konnte ich die Anderen aufgrund meiner Penetranz doch noch überzeugen. Was ein paar Zentimeter erhöhter Stand so ausmachen.

Kurz vor dem Olympiahafen haben wir dann fast noch eine der ausgelegten Regattatonnen versenkt, aber eben nur fast. Die Anfahrt des Olympiahafens bei Nacht ist eine hochinteressante Sache. Das Hinweislicht für die Hafeneinfahrt war schnell entdeckt, aber erst sehr kurz vorher konnte ich richtig erkennen, dass die Einfahrt hinter einer Mole versteckt ist und man quasi seitlich einfahren muss. Wie schon oft vorher hat uns aber die erstaunliche Ortkenntnis von Rudi sicher in den Hafen und an den Anlegeplatz geführt. Obwohl wir erst sehr spät nach Mitternacht in den Hafen eingelaufen sind, war dies der Abend (außer dem Prüfungsabend) an dem wir am intensivsten gefeiert haben.

Dementsprechend spät sind wir am Donnerstagmorgen auch in die Gänge gekommen und vermutlich haben deswegen, zumindest zu Anfang, die Manöver so schlecht funktioniert, dass Rudi von einem vollkommen disharmonischen Orchester sprach und vermutlich am liebsten über Bord gesprungen wäre, um sich mit uns nicht weiter zu blamieren.

Doch nach und nach und unter Rudi´s ruhiger Anleitung (unser Boot war ja auch in Fahrt!) klappte es besser und besser. Da Wolfgang leider nicht zur Prüfung zugelassen wurde, haben wir zum Mittag hin noch einen kleinen Schlag nach Laboe gemacht um ihn an seinem Auto abzusetzen. Danach ging es dann noch lange zum Üben raus, so dass wir erst wieder gegen 21:30 Uhr zum Abendessen gekommen sind. Diesmal haben wir es uns jedoch in einer im Olympiahafen gelegenen Pizzeria gut gehen lassen. Rudi war ganz zufrieden und hegte die leise Hoffung, dass wir die Prüfung in der Tat bestehen könnten wenn, ja wenn wir nicht ausgerechnet die einzige Prüferin im Prüfungsausschuss zugeteilt bekommen würden.

Die Prüferin (Frau Jansen), selber wohl eine ausgezeichnete Seglerin (was der Rudi so alles weiß!), hat wohl in der Vergangenheit die höchste Durchfallquote im Ausschuss für sich verzeichnet. Aber wieso sollte die Dame ausgerechnet uns zugeteilt werden, wo doch so viele Prüflinge und Boote gemeldet waren? Also ab in die Koje und jeder hat eine mehr oder weniger ruhige Nacht verbracht.

Freitagmorgen war es dann soweit, die Prüfung stand an. Rudi hatte uns einen Prüfungstermin für mittags reserviert und daher konnten wir noch mal raus in die Kieler Förde zum üben. Alle Manöver noch mal durchgespielt und für jeden einen bestimmten Platz sowie eine bestimmte Reihenfolge (wenn man nicht gerade selber Prüfling war) ausgeguckt, damit auch alles reibungslos funktionieren konnte und jeder eine optimale Crew zur Verfügung hatte.

Dann war Mittagszeit und wir haben im Hafen angelegt. Außer uns war am Steg erst noch ein anderes Prüfungsboot vertäut. Dann aber kam noch ein zweites und zeitweise auch ein drittes Boot hinzu und das obwohl eigentlich nur für zwei Boote hintereinander Platz war. Also war Päckchenliegen angesagt.

Rudi genoss die Sonne auf einer Bank oberhalb der Steganlage und wir hatten nach dem Aufklarieren des Bootes einiges damit zu tun andere Prüflinge davon abzuhalten gerade auf unserem Boot die Prüfung ablegen zu wollen. Die Prüflinge zogen sich durch alle Altersklassen, wobei eine relativ große Gruppe von Studenten der Uni Kiel mitvertreten war.

Auf einmal kletterte eine etwas lebenserfahrenere Frau zu uns an Bord und bevor ich ihr erklären konnte, dass sie mit Sicherheit auf dem falschen Boot gelandet sei, stellte sie sich mit den Worten: -„Guten Tag mein Name ist Jansen. Ich soll hier eine Prüfung abnehmen.“ – vor. Ich hätte gern mein Gesicht in diesem Augenblick gesehen denn

1. sie war zu früh und

2. sie war Frau Jansen!

Kurzes Gestotter von wegen „ich müsste mal kurz unseren Ausbilder holen“ und los ging es Rudi suchen. Er war jedoch schnell gefunden und seinem Gesichtsausdruck konnte ich ebenfalls die spontane Freude über Frau Jansen als Prüferin entnehmen. Aber was sollte es, auf See kann man sich einen plötzlichen Wetterwechsel oder sonstige Widrigkeiten ja auch nicht aussuchen.

Also alle auf die eingespielten Plätze und schon legten wir nach den kurzen Formalitäten ab. Frau Jansen musterte unauffällig die Ordnung auf unserem Boot und schien mit dem Ergebnis ganz zufrieden zu sein. Die als erstes durchge­führten Manöver unter Motor klappten auch ganz gut (wozu auch mit Sicherheit die von Rudi durchgeführten Ablenkungsgespräche beitrugen) und so kam auch schnell der Segelteil dran. Auch hier gab es natürlich Hacken und Ösen und so manchen Schnitzer. Aber insgesamt hat es bei jedem zumindest so gut geklappt, dass Frau Jansen trotz vorhandener Schwimmweste keinen Grund sah über Bord zu springen. Auf der Rückfahrt in den Hafen versuchte uns Frau Jansen noch kurz zur falschen Hafeneinfahrt zu lotsen, dies wurde von uns jedoch noch rechtzeitig erkannt.

Nach dem erfolgreichen Anlegemanöver zogen dann bei den Knoten noch kurzfristig dunkle Wolken für zwei von uns am Prüfungshimmel auf, aber mit der strengen Ermahnung an den Ausbilder hier noch nachzubessern, war es dann doch geschafft. Schnell noch die Übergabe der Führerscheine im Prüfungsbüro erledigt und schon wieder abgelegt zum Dieselbunkern und anschließender Überfahrt nach Laboe. Diese Überfahrt war noch mal Segelspaß pur. Dann Schiffsübergabe mit der spannenden Frage, ob unsere kleine Grundberührung dauerhafte Schäden hinterlassen hatte, aber zum Glück, es war nichts zu sehen. So jetzt schnell das Boot leer geräumt und ab in die Jugendherberge nach Kiel- Garden. Zimmer bezogen und ab in den Oldtimerhafen, direkt gegenüber vom Hauptbahnhof zum feiern – natürlich auf einem Schiff! Der Abend war dann nicht nur fröhlich sondern auch feucht.

Am Samstagmorgen dann zügig zurück nach Hause. Beim Aussteigen aus dem Auto musste ich dann feststellen, dass der Boden immer noch schwankte, was auch noch einige Tage anhalten sollte.

Insgesamt war es ein anstrengendes, aber auch sehr interessantes und lustiges Erlebnis, sowohl die Ausbildung insgesamt, als auch der Ausbildungstörn. Ich habe sehr viel gelernt und muss sagen, dass Rudi auch der richtige Mann ist um diese Ausbildung durchzuführen. Er besitzt die nötige Ruhe und Souveränität um das notwendige Wissen zu vermitteln.

Von daher vielen Dank an Rudi!!