SKS Praxistörn 2008 des SCRS in der Ostsee

 

Die Crew des Segel-Club Rhein-Sieg nach bestandener Prüfung

 

Dieses Jahr segelten 15 Segler des SCRS auf drei Schiffen „Rund Fünen“ zur SKS-Praxis-Ausbildung. Ein erfolgreicher Ausbildungstörn indem auch kleine und mittlere Katastrophen meisterlich – gemeistert wurden, viel gesegelt und erlebt wurde.

 

Erlebnis SKS – Ausbildungstörn rund Fünen 2008

 

Ja, ein ganz besonderes Erlebnis in vielerlei Hinsicht, dass war es, aber von Vorne:

 

Nach meinem Einstieg in den Kurs begann eine kurze, aber sehr intensive und interessante, theoretische Lernphase, die dann mit der glücklicherweise bestandenen Prüfung vorerst endete.

Jetzt begann die Vorfreude auf den Törn, die, je näher der Termin rückte, immer mehr in Skepsis überging.

 

Bis jetzt hatte ich die doch begrenzte Freizeit mit meiner Familie verbracht und war noch nie solange alleine von zu Hause weg. In der Firma hätte ich auch noch einiges

zu tun gehabt; mit vier fremden Leuten (darunter ein Prof.- Dr.) eine Woche wegfahren? Und dann auch noch auf dem doch begrenzten Raum eines Segelbootes zusammen leben? Na ja, ich habe das jetzt angefangen und was ich anfange, bringe ich auch zu Ende - so meine Gedanken vor Törnbeginn.

 

Das Vorbereitungstreffen in Oberwinter, die Fahrt nach Kiel, der erste Abend und das erste Frühstück mit der Crew an Bord schwächten die anfänglichen Bedenken bereits ab.

 

Nachdem wir in der ersten Nacht um 01:05 Uhr am Navigationstisch den Seewetter­bericht abgehört und (auf Rudis Vordrucken) mitgeschrieben hatten, kam doch etwas Ehrfurcht auf und mir wurde so richtig bewusst, dass wir jetzt auf die wirkliche, echte See hinaus gehen.

 

Die Einweisung in die Funktionen, Einrichtungen und Ausrüstung unserer Bavaria, sowie der Schiffscheck nach Skipper Rudi´s - Checkliste vor Törnbeginn, war sehr interessant und aufschlussreich, viele Dinge und Situationen, an die im sicheren Hafen niemand denkt, wurden bewusst und Zusammenhänge deutlich gemacht.

 

 

Als wir dann, nach viel Theorie, in die Kieler Förde ausliefen, Damp 2000 und die Schleimündung passierten, die ersten Seezeichen und Leuchttürme „live“ sahen, mit denen wir in den Übungsseekarten gearbeitet hatten und sich langsam ein Gefühl für die Entfernungen auf See im Bezug auf die Seekarten einstellte, ein erstes Gespür  für die Aktionen und Reaktionen des Schiffes einstellte und wir dann auch noch unter Segeln die „Stella“ überholen konnten, freute ich mich richtig auf den Törn.

 

Bei schönem Sommerwetter und einer leichten Briese sah alles nach einer Woche dahin gleiten und abhängen auf See aus, zumal uns später der Wind verlies und wir den Rest des Weges gemütlich unter Motor Richtung Sønderborg schipperten. Doch das sollte sich noch ändern.

 

Am Yachthafen vorbei liefen wir Richtung Stadthafen Sønderborg und als wir hier einliefen, wurde mir klar, warum wir nicht den Yachthafen gewählt hatten. Das Panorama der traditionellen Gebäude mit den davor liegenden Yachten in der Abendsonne war beeindruckend.

 

Nachdem wir uns bei der Suche nach einem geeigneten Liegeplatz entschieden hatten doch nicht an der Rückseite des Frittenbudenschiffes festzumachen, legten wir an einer Yacht an, die ihrerseits bereits an einer Yacht festgemacht hatte, und diese dann erst an der Kaimauer lag. An uns machte dann auch noch die „Stella“ fest und so lernte ich, wie man im „Päckchen“ liegt.

 

 

Das ging alles sehr unproblematisch, ohne Protest der Vorlieger, außer der Warnung, man habe 8 Kinder an Bord, wurde die Situation als völlig normal akzeptiert.

Dass man sich, beim an Land gehen, über die anderen Boote vorsichtig und leise bewegen sollte, kann sich jeder denken und nach kurzer Einweisung ins „Päckchen liegen“ wussten wir auch, dass man immer über das Vorschiff der anderen Schiffe geht, um die Privatsphäre der Nachbarcrew zu respektieren.

 

Außerdem lernten wir, dass der Erste am Kai im Päckchen mit dem Auslaufen nicht warten muss bis alle anderen abgelegt haben, sondern dass durch Überholen der Festmacher des Nachbarliegers man selbst ablegen kann und dann das gesamte restliche Päckchen wieder festmacht.

 

Mit einer Dose Bier und Petras köstlichem Abendessen ging der erste Tag auf See zu Ende.

 

Am nächsten Morgen, nachdem Rudi mich auf Eiswolken am Himmel aufmerksam gemacht hatte und einem Mitglied unserer Nachbarcrew erklärt hatte, wie Segel „killen“ können, liefen wir unter Motor durch die Hebebrücke von Sønderborg und durch den landschaftlich sehr schönen Alsfjord Richtung Norden.

Unterwegs übten wir die Manöver und lernten dabei auch, wie man auf Grund läuft und wieder frei kommt.

 

Nachdem wir den Alsfjord passiert hatten liefen wir Richtung Middelfart auf Fünen. Auf See sahen wir die ersten Schweinswale, das fand ich sehr beeindruckend. Bisher hatte ich nur von ihnen gelesen bzw. sie im Fernsehen gesehen. Es ist die einzige in unseren Breiten heimische Delphinart und war durch Jagd und Fischereibeifang stark bedroht. Mittlerweile gibt es Schutzgebiete die zumindest den Arterhalt sicherstellen. Die Sichtung war aber nur möglich, weil kein Wind und kaum Seegang herrschte, das bedeutete aber auch weiterhin Fahrt unter Motor.

 

Aber auch unter Motor überholten wir die „Stella“ wieder und zwar diesmal als „führerloses Geisterschiff“, dieser vom Skipper im Piratenlook höchstpersönlich angezettelte Schabernack flog aber schnell auf, weil wir unter Deck so laut lachten, dass die zunächst etwas verstört wirkende Crew der „Stella“ uns trotz Motor und Distanz hören konnte, dennoch eine gelungene Aktion während der Tristen Motorfahrt.

 

In Middelfart legten wir im Yachthafen an, wobei unser erster Versuch scheiterte, weil die Dalben der Box zu eng standen.

Nachdem wir in einer passenden Box festgemacht hatten, begab ich mich an meine

Aufgabe als Smutje.

Es gab wieder etwas aus der italienischen Küche. Ein vorher mit meinem Freund und

Gastronom Tano  einstudiertes Menü; und die Crew meinte „man könne es essen“.

Nach einem geselligen Abend verbrachten wir eine ruhige Nacht.

 

Meine Vorbehalte das Zusammenleben an Bord betreffend, mich fern von zu Hause und Firma unwohl zu fühlen, waren zu dieser Zeit verflogen. Die Gemeinschaft an Bord empfand ich sehr angenehm, es gab keine Spül- Abtrocknen- Kaffeekoch- Aufräum- oder Frühstückmach- Pläne, jeder packte an, wo es nötig war und keiner „übersah“ notwendige Alltagsarbeiten und überhaupt gab es keinerlei Kritik  untereinander.

 

Am nächsten Tag war ich Navigator. Es wehte ein guter Wind und wir übten fleißig Manöver unter Segeln, Rudis Warnung, dass jedes schlagen des Segels mit dem Überbordwerfen einiger Euros gleichzusetzen sei, wurde hier noch nicht so richtig ernst genommen. Während der Steuerzeiten der anderen blieb mir ab und an Gelegenheit die wunderschöne Landschaft in diesem Gebiet zu genießen. „Hierher komme ich ganz sicher noch einmal“, dachte ich bei mir.

Gegen Mittag liefen wir in den Stadthafen von Middelfart, um unseren Proviant (kein Bier mehr an Bord) aufzufrischen, hier fanden wir auch Rudis Krabbenkäse; man nutzte halt jede Gelegenheit um die Laune des Skippers nach unseren  „Manöver­übungen“ wieder aufzubessern.

 

Am  Nachmittag brachen wir dann wieder auf, die Nachtfahrt stand an. Unter der Autobahnbrücke hindurch liefen wir zum Kap und dann nach Osten. Auf See konnten wir beobachten, wie ein Lotsenboot einem Frachter entgegen lief und der Lotse übernommen wurde.

 

Unseren Kurs hatte ich relativ schnell festgelegt.

Allerdings war dies nicht die einzige Aufgabe des Navigators, Windrichtung und -stärke, Lufttemperatur, Wassertemperatur, Strömung, Seegang, Wolkenbildung und Luftdruck bei Position und Kurs mussten regelmäßig erfasst und aufgezeichnet werden.

Erschwerend hinzu kam, dass aufgrund des Ausbruches des 3. Irak-Krieges (in Form einer Abdeckung aus Alupapier der Empfängerantenne) das GPS ausfiel und terrestrisch navigiert werden musste.

Auch diese, während des theoretischen Unterrichtes angewendete Art der Navigation, erwies sich auf dem schwankenden Schiff und der sich ständig in Bewegung befindlichen Kompassskala als übungsbedürftig aber praktikabel.

 

Nach einiger Zeit unter Deck begann dann die Seekrankheit, zunächst konnte ich sie noch unterdrücken, indem ich zwischendurch immer wieder an Deck ging, doch es wurde langsam immer schlimmer. Und als ich dann noch den, vom Skipper angeforderten, Wachplan für die Nacht mit 4-stündigen Intervallen und 2-stündiger Überschneidung jeweils eines Wachenden aufgestellt hatte, bei dem ich mir selbst noch auferlegte, Hartmut nicht gerade mitten in der Nacht zum Wachwechsel einzuteilen, reichte es gerade noch den Plan ins Saubere zu schreiben, dann machte ich mich auf zur Reling.

 

Ich habe mich darüber sehr geärgert, weil ich meinen Job nicht zu Ende gemacht habe.

Auf jeden Fall gilt der Crew mein Dank für ihre rührende Fürsorge. Mir wurden Wasser und Tücher geholt, einer hielt mich immer fest, obwohl ich selbst das nicht für nötig hielt und als es langsam besser zu gehen schien, bekam ich Zwieback gereicht.

Leider  folgten dann aber noch einige Wiederholungen, bis ich irgendwann auf Deck eingeschlafen sein muss.

 

Als ich aufwachte war Spannung an Bord, es muss wohl gegen Mitternacht gewesen sein, die Situation ist mir auch heute noch nicht ganz klar, ich wollte nachher noch gefragt haben und in der Karte nachsehen aber die Ereignisse im weiteren Törnverlauf haben mich davon abgelenkt.

Jedenfalls wurden zwei Tonnen gesucht, konnten aber nicht gefunden werden, weil das Kabel des Suchscheinwerfers nicht bis an Deck reichte (Zusatzpunkt für Checkliste) und keine ausreichend starke Taschenlampe an Bord war.

 

Die Situation wurde dann mit Rudis Hand – GPS-Plotter gelöst, indem wir die Position unseres Schiffes und der gesuchten Tonnen auf dem Display sehen konnten und so durchfahren konnten.

 

Kurz danach übernahm ich das Ruder und steuerte in die Nacht. Zuerst noch etwas

benommen, dann aber schnell wieder hellwach, steuerten wir auf die Brücke über den großen Belt zu. Hier erlebte ich zum ersten Mal „live“ wie der Sektorenwechsel eines Leuchtfeuers  aussieht und während der Vorbeifahrt von grün auf rot wechselte und wie Großschiffe nachts auf See erscheinen. Zunächst erkannte man nur zwei unterschiedlich hohe Lichter dann, erst aus geringerer Entfernung erkannte man auch die Positionsseitenlichter.

 

Beeindruckend war auch zu erleben, wie schnell die Großfahrzeuge vorbeifahren bzw. näher kommen. Vom Land aus sehen sie eher behäbig aus, auf See, von einem relativ langsamen Segler aus gesehen, laufen sie erheblich schneller als man selbst und man kann sich vorstellen, dass ein evtl. Ausweichmanöver sehr frühzeitig eingeleitet werden muss.

 

Ebenso interessant war auch die Begegnung mit einem Kreuzfahrtschiff. Von Rudi auf den kleinen Lichtpunkt aufmerksam gemacht, sahen wir, wie dieser schnell größer wurde und nach kurzer Zeit zeichneten sich durch unendlich viele Lichter bereits die Schiffskonturen ab. Der „Weihnachtsbaum“ überholte uns in einiger Entfernung und lief durch die Brücke über den großen Belt.

 

Auch wir liefen weiter Richtung Brücke, allerdings zu einer anderen Stelle, in der Auffahrt zur Hauptbrücke.

Nach einiger Zeit konnten wir eine hell erleuchtet Stelle voraus erkennen, das war die Durchfahrt zwischen den Brückenpfeilern.

Während wir näher kamen, begann die Morgendämmerung.

Es war ca. 03:00 Uhr, als wir die Durchfahrt erreichten. Außer Rudi und mir schliefen alle und bekamen die Durchfahrt leider nicht mit. Man glaubte beim Ansteuern nicht, dass der Mast tatsächlich „durchgeht“, aber Rudi meinte „das passt schon“ und tatsächlich, mit einem ziemlich knappen Meter „Luft“ über dem Mast liefen wir durch.

 

Hinter der Brücke hatten wir guten Wind und mussten nur kurz kreuzen, bevor wir unseren Kurs so wählten, dass wir auf Amwind-Kurs von Steuerbord sehr zügig  in südlicher Richtung liefen.

 

Während dieser Fahrt, die über Stunden ging, hatte ich Zeit, mich weiter mit dem Schiff vertraut zu machen. Ich konnte ausprobieren wie hoch am Wind es noch läuft und ab wann man Fahrt verliert, gewöhnte mich an Schräglagen, die ohne Probleme möglich waren und erfuhr, wie schwer das Ruder werden kann, wenn man nicht aufmerksam ist und über einen gewissen Punkt abfällt. Das Vertrauen in die Yacht wuchs und ich fühlte mich immer sicherer. Von den Motorbooten, die ich bis jetzt gefahren hatte, kannte ich ein so weiches eintauchen und abfangen in die Wellen nicht.

Mittlerweile hatte Rudi es sich auf der Backbordbank im Cockpit bequem gemacht,

aber wohl eher in standby, denn auch jetzt entging ihm kein Steuerfehler. 

 

Die anderen Schiffe weit voraus wissend, dachte ich erst an einen Irrtum, als ich zwei kleine weiße Punkte in der Ferne zu erkennen glaubte, aber Rudi sah sie auch. Es mussten „Stella“ und „Paula“ sein. Jetzt war ich hellwach, wir hatten gut aufgeholt und Rudi meinte: “Wir müssen das letzte Stück gegen den Wind und auf der Kreuz optimal segeln, dann haben wir eine Chance sie einzuholen“.

Von jetzt an versuchte ich, so exakt wie möglich zu steuern, „das wäre ja genial, wenn wir die noch einholen“ dachte ich.

Und wir holten weiter auf. Ja, wir kamen deutlich heran. Mittlerweile war unsere Crew wieder komplett an Deck und als die „Paula“ ihre Kreuz begann und entgegen kam konnten wir schon die Gesichter erkennen.

 

 Als wir anfingen zu kreuzen, testeten und merkten wir uns die maximal möglichen Kurse und Rudi gab daraufhin die Wendepunkte vor. Ich konnte es kaum glauben, aber wir holten in riesen Schritten auf und unsere letzte Wende passte wie „Arsch auf Eimer“ in die Hafenzufahrt, damit waren wir an beiden Schiffen vorbei! Einfach genial, ja das ist Segeln.

 

Wir liefen durch die lange Zufahrt in den Hafen von Svendborg ein und warteten auf die anderen, um ihnen zum 2. und 3. Platz zu gratulieren, dafür hatte aber besonders die Crew der „Stella“ kein Ohr – haha.

 

Als wir den Motor in der Hafenzufahrt gestartet hatten, lief der zunächst nur auf einem Zylinder. Nach einiger Zeit erst liefen der 2. und 3. dann auch mit, das ist kein gutes Zeichen, gerade nicht bei einem Diesel.  

 

Sendborg ist ein gemütliches Städtchen mit vielen kleinen Geschäften und vereinzelten alten Fachwerkhäusern. Hier genehmigten wir uns eine Siegertorte und ruhten etwas aus.

Am Nachmittag brachen wir zur Überfahrt nach Aerö auf. Durch eine schmale

Baggerrinne unter Motor gegen den Wind bei einigem Seegang war dies die unangenehmste Passage während unseres Törns. Zwischendurch musste Hartmut vom Navigationstisch aus lautstark eine harte Kursänderung einfordern, weil wir mit den anderen Booten im Gefolge, gerade ansetzten eine Gefahrentonne an der falschen Seite zu passieren.

 

Aerö empfand ich als den schönsten Ort unseres Törns: ein kleiner Hafen, schmale Gässchen, kleine Geschäfte und Gaststätten luden zum verweilen ein. Ja, ich weiss, das hätte man alles im Loggbuch vorher lesen können, aber so war es halt eine Überraschung.

 

Am Abend verstand Rudi es, durch geschickte Wegezoll Verhandlungen  mit der Crew der wasserseits neben uns liegenden „Stella“, unseren Biervorrat aufzufrischen. Und wie durch ein Wunder hingen morgens alle Fender der Stella an unserer Reling.

 

Als wir am nächsten Morgen ausliefen begannen, die ernsthafteren Probleme. Unser Motor fing  nach einiger Zeit an weiß zu rauchen, es wurde eindeutig Kühlwasser mit angesaugt und verbrannt. Der Kühlwasserbehälter war bereits leer und es fehlten ca. 3 l Kühlflüssigkeit. Wir füllten den Kühlkreislauf mit Wasser auf und setzten sobald wie möglich Segel, um den Motor zu schonen. 

 

Auf See war es ungemütlich, der Wind wehte mit Stärke 6 und der Seegang war entsprechend. Zwischendurch gab es heftige Regenschauer, die wir teilweise mit beiliegend Schiff unter Deck abwarteten.

Außerdem mussten wir bis zu einem Kap gegen den Wind kreuzen und machten zum Spaß noch einen Abstecher zu einem vermeintlichen roten Fender, den Rudi in einiger Entfernung mit seinem Adlerauge ausgemacht hatte. Leider handelte es sich nur um einen alten Fischernetzschwimmer, dessen Bergung sich nicht lohnte.

 

Nach der Passage des Kaps übergab ich das Ruder an Petra, die aber nach einiger Zeit an Helmut übergab, weil ihre Kraft nicht ausreichte das Ruder unter diesen Bedingungen zu halten.

 

Dann geschah es, gerade war wieder eine Warnung bezüglich des Segelschlagens

verklungen, da riss die Fock im oberen Drittel ein. Wir bargen sie umgehend und liefen nur unter Großsegel weiter.

 

Kurze Zeit später sagte Helmut das Ruder ließe sich nicht mehr bewegen. Das Schiff reagierte auf das in dieser Position blockierte Ruder mit einer gewissen Eigendynamik: es lief 5 Längen geradeaus, luvte dann an, ging durch den Wind

und fiel wieder ab bis zur Vollendung eines Vollkreises, dann begann alles wieder von vorne.

Da auch die eilig hervorgeholte Notpinne keine Steuerung zuließ, begannen wir nach der Ursache zu suchen. Durch das Inspektionsluk  in der Steuersäule konnte man erkennen, dass die Steuerkette sich um das untere Kettenrad gewickelt hatte und im unteren Steuergehäuse verklemmt war. Durch das Luk war die Kette nicht zu lösen, darum demontierten wir den Kompass, um einen weiteren Zugang zu bekommen.

Während der Brasselei überkam mich die Seekrankheit mit Macht. Ich wollte noch schnell zur Reling, war aber auf der gegenüberliegenden Seite eingepickt, was mich auf halbem Weg stoppte und so bekam das Schiff, die Flagge, Rudi und ich selbst eine volle Breiseite.

 

Nach dem Anfall schraubte ich weiter. Mittlerweile war ein Patroullienboot der dänischen Marine auf unseren seltsamen Kurs aufmerksam geworden, kam längsseits und bot Hilfe an. Rudi fragte mich ob ich’s wieder hinkriege und als ich dies bejahte, lehnte er die Hilfe mit Dank ab, worauf sich die Dänen ihres Weges machten.

 

Die Steuerung über das Rad war nicht mehr instand zusetzen, weil 3 der 4 Halteblöcke des unteren Steuergehäuses gebrochen waren und der verbleibende keinen ausreichenden Halt mehr bot. Wir entschlossen uns die Kette ganz auszubauen und mit der nun funktionierenden Notpinne nach Kiel zu laufen.

Nachdem wir die anderen Schiffe per Funk über unser Missgeschick informiert hatten, kam die Paula zurück, um uns sicherheitshalber nach Kiel zu begleiten.

 

Während der Ansteuerung der Kieler Förde erlebten wir die Sektorenwechsel von Kiel-Leuchtturm und mussten feststellen, dass das Ansteuerungsfeuer des Hafens ziemlich schlecht auszumachen ist.

 

Spät am Abend liefen wir, froh darüber das angeschlagene Schiff „nach Hause gebracht zu haben“, in Kiel ein.

Meinen abendlichen Anruf zu Hause hatte ich währenddessen versäumt und als ich dies nach unserer Ankunft gegen Mitternacht nachholte und von unserer „Aktion“ berichtete, trug dies nicht gerade zur Beruhigung meiner Frau bei.      

 

Am Morgen brachten wir die Fock zum Segelmacher und erfuhren von Piet, dass unsere „Liese“, aufgrund des nicht verfügbaren Ersatz Steuergehäuses, nicht mehr eingesetzt werden konnte. Als Ersatz bekamen wir eine schnelle Dehler-Yacht zur Prüfungsvorbereitung und zur Prüfung.

 

Unser Manövertraining an diesem Tag war sehr bescheiden, trotz Rudis Mühen und Engelsgeduld klappte nichts richtig und das lag nicht nur am ungewohnten Schiff. Besonders Helmuts Manöverbeschreibungen waren zwar sehr unterhaltsam, brachten uns aber nicht wirklich weiter.

Zwischendurch versagte auch bei dem Ersatzschiff das Ruder und wir mussten, um nicht in die Fahrrinne zu treiben den Anker werfen. Zum Glück war nur die Mutter am Steuerrad lose und wir konnten den Fehler beheben.

 

 Am Abend beschlossen wir etwas essen zu gehen und dann noch mal raus zu fahren, um weiter zu üben und siehe da es ging zumindest besser, zum Abschluss fragte Rudi mich, ob ich die Yacht unter Segeln in den Hafen fahren möchte, na klar wollte ich und es klappte sogar, das war schon ein gutes Gefühl. 

 

Am Prüfungstag  wurde auch noch trainiert und als die anderen Crews von Ihrer Prüfung zurückkamen und berichteten: Er will auf keine Fall halsen, exotische Knoten werden verlangt, etc., war die Unsicherheit groß.

Als der Prüfer an Bord kam, war er schon über unser Abenteuer auf See informiert und versprach uns einen Bonus dafür, sollten wir allerdings so schlecht  segeln wie die vor uns geprüfte Crew würde er nicht zögern auch uns durchfallen zu lassen.

 

Die Prüfung lief dann wie geplant. Wie hatten die Yacht mit dem Bug in Richtung Ausfahrt gelegt, Petra lief aus, ich machte als letzter die Manöver unter Motor und  setzte Segel, übergab an Petra, machte als letzter Manöver unter Segeln, barg die Segel und lief zurück in den Hafen, alle Bestanden!!

 

Während der Prüfung erwies sich Rudi als Multitalent. Einerseits verwickelte er den Prüfer ins Gespräch, andererseits erteilte er uns mit Händen, Füßen und Augen

Signale und kuppelte notfalls den Motor mit dem Fuß selbst aus – wer weiß wie es sonst ausgegangen wäre.

 

Nach der erfolgreich absolvierten Prüfung, genehmigten wir uns ein Gläschen Sekt an Bord, jetzt fiel die Spannung so langsam ab.

 

Die komplett durchgefallene Crew der „Paula“ bekam eine 2. Chance beim Vorsitzenden des Prüfungsausschusses und bestand diese dann zum Glück auch. Nur ein Anwärter aus der Crew der „Stella schaffte es leider nicht.

 

Am Abend wurde gefeiert und wir verbrachten die letzte Nacht gemeinsam an Bord.

 

Morgens holten wir die Fock vom Segelmacher ab, 95 mal ein 2.00 € Stück ins Wasser geworfen!.

 

Nachdem das Schiff übergeben war, Abschlussfotos gemacht und die Taschen gepackt waren, hieß es Abschied nehmen. Ich freute mich sehr auf zu Hause, war aber zugleich traurig, dass die wunderschöne Zeit an Bord nun vorbei war.

Besonders der Abschied von Rudi, den ich sehr zu schätzen gelernt habe, fiel mir schwer.

 

Hartmut, übrigens auch ein prima Kerl und ich fuhren noch zum Liegeplatz der Gorch Fock und dann Richtung Köln, wo meine Frau auf mich und Hartmuts Freundin mit einem Lammbraten auf Ihn wartete, wir verabschiedeten uns, ein wunderschönes und unvergessliches Abenteuer war leider zu Ende.

 

Auf der Heimfahrt von Köln und in den folgenden Tagen, wenn nicht Wochen, konnte ich nicht umhin immer wieder von unserem Törn zu erzählen, es waren einfach einmalige Eindrücke die ich mitgebracht hatte. 

 

Den Segelsport werde ich auf jeden Fall weitermachen, wenn im Moment auch aus Zeitgründen nicht so intensiv. Aber eines Tages, wenn ich, am liebsten von Rudi, noch mehr gelernt habe, gehe ich auf große Fahrt…..

 

Diesen Bericht habe ich im Urlaub, an Bord der „Ina“ geschrieben es ist zwar ein Motorboot, aber auch hier lassen sich die Erfahrungen und die Ausbildung unseres Törns in vielen Bereichen umsetzen.

 

Arcachon, Frankreich   03.08.2008 

 

001°10,5´  W

  44° 25,4´ N

 

Franz   

 

SKS-Ausbildungstörn 2008 „Rund Fünen“

 

Es geht los, auf zur Sailing-City nach Kiel an die Förde ...

die Crews der LIESE ...

und der PAULA sind schon im Olympiahafen eingetroffen,

während die Besatzung der STELLA erst nach Mitternacht eintraf.

 

Die Schiffe wurden gecheckt und verproviantiert ...

und auf der STELLA suchte man noch die Maus im Laufrad, für den Schiffsantrieb.

Die Seekarten und das Logbuch lagen bereit ...

aber wie kommt man nur aus der engen Box heraus?

Mit einem letzten prüfenden Blick konnte es losgehen!

Rund um die dänische Insel Fünen sollte es gehen und so starteten wir zu unserem ersten Schlag über die Kieler Bucht nach Sønderborg.

Der Wind war schwach und dennoch ging es voran ...

und die SCRS-Flotte segelte Kurs Nord!

Passierte die Ansteuerungstonne nach Schleimünde ...

und erreichten am späten Nachmittag den Stadthafen von Sønderborg

Wo wir im Päckchen festmachten und ...

ein kühles Bier, ...

oder ein Glas Rotwein ...

und ein köstliches Abendessen genossen.

Nächstentags ging es Richtung Alssund und in den kleinen Belt nach Middelfart.

Aber erst einmal durch die Stadtbrücke von Sønderborg ...

in den beschaulichen Alssund und weiter ...

in den Alsfyord wo die ersten Manöverübungen begannen.

Dem folgten ein kurzer Kaffeepausen-Stopp in Äro ...

und die Verfolgungsjagd der LIESE zur STELLA, deren Crew ...

aber erstaunt das „unbemannte“ Überholmanöver der LIESE beobachtete.

In Middelfart angekommen, ging es in den Yachthafen und auf der STELLA ...

und der PAULA war die Nacht sehr kurz ...

als der Weckruf der Lachmöwe ertönte.

Anschließend wurden Hafenmanöver geübt ...

und wir segelten in den alten Stadthafen ...

um sich auf die kommende Nachtfahrt nördlich um Fünen vorzubereiten.

Zuerst ging es unter der Autobahnbrücke hindurch ...

da ging es unserem Navigator noch gut ...

dann begegneten wir schon größeren Schiffen, die wir zum Ausweichen zwangen ...

die Nacht war kurz als der Navigator wieder erwachte ...

und uns durch den großen Belt steuerte.

Bei Sonnenaufgang lag die Brücke über den großen Belt hinter uns ...

und wir kreuzten zwischen Langeland und Fünen auf ...

als die Crew mit kleinen Augen wieder erwachte ...

steuerten wir als Sieger in den Svendborgsund ein.

Die Strapazen der Nacht zeichneten sich in den Gesichtern ...

und so raffte es so manchen Segler dahin.

Die Pause in Svendborg war für alle eine Erholung ...

und verführte zu einem Stadtbummel ...

und zum relaxen in beschaulicher Umgebung ...

bevor es wieder hinaus auf See ging ...

und wo es durchaus etwas Nass werden konnte ...

denn der Wind hatte aufgefrischt und ließ die STELLA tanzen ...

und das Wasser schäumen ...

ehe wir den sicheren Hafen von Ärököping erreichten.

Nächstentags waren wir wieder klar zum Auslaufen ...

und jeder bereitete sich auf den bevorstehenden Ritt über die Kieler Bucht vor.

Eine lange Kreuz bis zum Kap ...

und Windstärke 6 ...

brachte selbst die stärksten Frauen an ihre Grenzen.

Als dann erst die kleinen Katastrophen kamen und die Fock sich verabschiedete waren wir noch zuversichtlich. Als anschließend das Ruder blockierte und das Schiff nicht mehr steuerfähig war, fuhr das Schiff 3 Schiffslängen selbstständig geradeaus, bevor es dann einen eleganten Vollkreis segelte und anschließend das gleiche immer wieder wiederholte, vergaßen wir leider das Photographieren und unsere eigentümlichen Manöver veranlasste die dänische Marine uns näher zu betrachten. Dennoch erreichten wir, ohne fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen, mit zerfetzter Fock und Notruder - spät in der Nacht den Olympiahafen in Kiel Schilksee. Dass dann für die Prüfung noch ein Schiffswechsel notwendig wurde, weil unsere LIESE nicht mehr einsetzbar war, erschwerte die Ausbildung zusätzlich. Mit einem schnellen Regattaschiff wurde dann der Prüfungstörn gefahren – natürlich Erfolgreich!

Zurück in Kiel ...

wurden noch viele Manöver geübt ...

viel diskutiert ...

und beratschlagt ...

bevor dann endlich die Prüfung bestanden war ...

und sich die Anspannung wieder entspannte!

Das anschließende Piraten Büffet mundete köstlich ...

und wir nahmen Abschied vom Olympiahafen ...

und von der Sailing-City Kiel.