Der Herbst ist da und damit auch die Zeit, der Segelsaison 2004 langsam „Lebewohl“ zu sagen.
Unser Absegeltörn in diesem Jahr führt uns für 4 Tage auf die friesischen Seen und das Ijsselmeer.
Eine sonnige Rundtour ohne Stress und mit viel Spaß
Mit einem holländischen Plattbodenschiff, einer Volenhovense Bol mit dem wohlklingenden Namen „Bolero“, wollen wir die laut Wetterbericht angekündigten sonnigen Herbsttage noch mal so richtig genießen.
Der Tradition folgend, wird dieser Segeltörn auch wieder unter ein kulturelles, touristisches oder kulinarisches Motto gestellt. Dieses Mal sind Gaumenfreuden angesagt und so steht unser Törn ganz im Zeichen des Pfälzer Weins. Kein Wunder, wenn man einen Winzer aus dieser Region mit in der Crew hat. Es geht hierbei also nicht darum „Meilen zu fressen“, sondern gemeinsam den Spaß am Segeln mit der Freude am Genießen zu kombinieren.
Im Wein liegt die Wahrheit, anschaulich erklärt von unserem Winzer Rudi
Höhepunkt der allabendlichen „Genußorgien“ ist eine zünftige Weinprobe am Samstagabend. Mit launigen Worten werden uns vom Winzer Rudolf die Vorzüge der einzelnen Weinsorten und –arten erklärt. Während der einzelnen Verkostungen erfahren wir viel über die Geschichte des Pfälzer Weinbaus, die uns durch kleine Anekdoten aufgelockert erzählt wird.
Und da zu einem guten Wein auch ein gutes Essen gehört, versucht sich Skipper Dedo als Koch dazu passender Gerichte, was ihm in Ansätzen auch gelingt.
Segler ante portas. Vor den (Schleusen-)Toren von Lemmer
Dass auch das Segeln bei diesen geballten Gaumenfreuden nicht zu kurz kommt, dafür sorgt das sonnige Herbstwetter mit täglich genügend Wind zwischen 3 und 5-6 Bft. Hierbei machte das Segeln mit der „Bolero“ so richtig Spaß und lässt keine Minute Langeweile aufkommen.
Besonders auf der Kreuz sind Skipper und Crew voll gefordert: Klüver und Fock müssen beim Wenden auf die andere Seite geholt und festgesetzt werden. Das Luvschwert muss aufgefiert und das Leeschwert herabgelassen, das Großsegel neu getrimmt werden.
Und auch im Hafen hört die Arbeit nicht auf, der Klüverbaum muss angehoben, Fock und Klüver abgeschlagen, das Großsegel ordentlich zwischen Baum und Gaffel eingebunden und alles Tauwerk geordnet aufgeschossen sein.
Doch gerade diese Mehrarbeit gegenüber einem „modernen“ Segelschiff macht den besonderen Reiz des Plattbodensegelns aus. Die anfangs noch holprigen Arbeitsabläufe werden mit jedem Manöver flüssiger und gehen Hand in Hand, jeder kennt seine Aufgabe, unbekanntes Neues wird vertrauter und Schritt für Schritt wächst die Crew zusammen.
Bei allem Spaß bei Wind und Welle, Sicherheit zuerst – auch wenn die Westen ein wenig stramm anliegen
Mit der Sicherheit in der Handhabung des Schiffes findet jeder wieder Stück für Stück zu sich selbst und beginnt diesen Törn auf seine Art zu genießen: die sportliche Herausforderung beim möglichst schnellen Vorankommen, das gleichmäßige Schaukeln des Bootes und Rauschen des Windes in den geblähten Segeln, den Anblick der untergehenden Sonne auf dem Ijsselmeer oder die gespannte Erwartung bei der Einfahrt in den beleuchteten Hafen.
Appetithappen für Zwischendurch: Matjes und alter Genever – Genuss pur
Ein besonderes Highlight eines Plattbodenschiff-Segeltörns ist für mich das Segeln auf den Kanälen. Frei von jedem Motorgeknatter ist dieses sanfte Dahingleiten Erholung und Entspannung pur. Hier hast du die Möglichkeit, die Natur um dich herum richtig wahrzunehmen, verkümmerte Sinne wieder zu beleben und die Seele richtig baumeln zu lassen.
Dass sie nicht zu tief baumelt, dafür sorgt mit Sicherheit die nächste Brücke oder Schleuse auf deinem Weg. Oder ein malerisches Städtchen, das zur Besichtigung einlädt.
Sonnenuntergang auf dem (Ijssel-)Meer
Obwohl wir intensiv segeln, vergehen die 4 Tage wie im Fluge und viel zu schnell ist unser Abschlusstörn beendet. Die Crew verteilt sich wieder auf ihre Heimatorte Essen, Viersen, Troisdorf und Roth am Riedberg. Mit im Gepäck die Erinnerung an diese schönen Tage und die Hoffnung auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.
Rauh und verwegen, die Crew zurück im Hafen
Am Ende noch ein kleines Video des Törns.
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Eine herbstliche Rundreise nach unserem Geschmack:
Sportliches Segeln bei 4 – 5 Bft. gegenan von Heeg nach Stavoren
Gemütliches Dahindümpeln bei 2 Bft. von Stavoren nach Lemmer mit achterlichem Wind
„Kaffeefahrt“-Segeln vom Allerfeinsten bei 3 – 4 Bft. von Enkhuizen nach Lemmer bei halben Wind
Kanal- und „See“-Segeln von gemütlich bis sportlich zwischen 3 und 5 (6) Bft. auf allen möglichen Kursen. über Sloten und Woudsend zurück nach Heeg.
Autor: Detlef Dongmann