SKS Ausbildungstörn vom 15. bis 22. April 2006 auf der Ostsee
Wir laufen nach flotter Fahrt in Kiel-Schilksee ein. Kälte empfängt uns: 5 Grad im Wasser und morgens ohne Heizung auch 5 Grad im Boot! Nach einer kalten Nacht im Schilkseer Hafen wird im Supermarkt gebunkert. Rudis Liste arbeiten wir hartnäckig ab. Aber wofür wir eine Flasche Essig in einer Woche brauchen erschließt sich uns nicht. Dennoch: die Flasche wird gekauft.
Bei der Bootsübernahme wird alles in Kisten, Schränken etc. ordentlich verpackt. Dann machen wir den Bootscheck ebenfalls mit Checkliste von Rudi. Der Check fällt derart intensiv aus, dass sich unser Vercharterer Pit beschwert: "In der Hauptsaison wäre das aber nicht möglich!" Aber wir lernen dabei sehr viel über das Boot, seine Ausrüstung und die Stellen, an denen alles zu finden ist.
Um 18:00 kommt endlich Volker als letzter im Hafen an: wie beim Theorieunterricht immer auf die letzte Sekunde, aber irgendwie kriegt er es doch noch hin. Es ist alles an Bord, Westen an, Sicherheitsgurte um, los geht’s! Einer der schönsten Momente gleich zu Beginn: nach der Ausfahrt aus dem Hafen und dem Segel setzen: Motor aus! Nur noch Wind und Wellen....
Wo geht’s hin? An der Seekarte wird der Kurs
abgesteckt. Wir wollen endlich die Tonne "Stollergrund Nord" sehen, nachdem Sie
bei jeder 2. Theorieaufgabe auf der Karte vorkam. Und siehe da, es gibt sie
tatsächlich und wir finden sie auch! Irgendwie scheint das mit dem Kompass und
dem Steuern also doch zu klappen. Wir kommen voran. Es wird dunkler und dunkler
(und kälter und kälter). Unser Ziel für den späten Abend ist Schleimünde. Es
gibt eine spannende Einfahrt bei Nacht: Navigieren nach einem Richtfeuer und
noch einem Richtfeuer und noch einem Richtfeuer. Alle Fahrwassertonnen werden
einzeln mit dem Handscheinwerfer gesucht und identifiziert und anschließend in
der Seekarte mit Bleistift abgehakt. Um ca. 24:00 haben wir es geschafft. Es
gibt Kartoffelsalat, Würstchen und Bier. Alle sind müde. Aber um 01:05 wird noch
der Seewetterbericht im Deutschlandfunk gehört...
Es ist ein kalter Morgen. So um kurz vor 8 dröhnt der Motor direkt neben meiner Koje. Ich stehe sozusagen senkrecht in der Koje/im Schlafsack. Das kann nur einer gemacht haben: "der unter der Kassiopeia schläft". GRRRRR. Aber immerhin bin ich wach. Nach dem Frühstück fahren wir bei sonnigem Wetter durch die Lagune von Schleimünde am Leuchtturm vorbei hinaus auf die Ostsee. Ein wunderschöner Anblick! Draußen auf der Ostsee empfängt uns dann ein wenig Wind, und noch ein bisschen weniger Wind und immer weniger, bis die See spiegelglatt ist wie in der Badewanne. Zunächst finde ich das ja interessant, hatte ich immerhin noch nie erlebt. Es ist relaxt, wir können Kaffee trinken, uns unterhalten. Entspannung ist angesagt. Dann wird es aber schleichend langsam nerviger und langweiliger. Es geht einfach nicht mehr weiter. Dabei haben wir so viel vor! Also: Seglerehre ade, Motor an. Nach ca. 1-2 Stunden frischt dann der Wind wieder auf und wir können wieder segeln. Motor aus! Das Segeln klappt schon ganz gut. Ist ja im Prinzip so wie auf der Jolle. Aber nur im Prinzip.
Es bleibt dabei: Ich ziehe täglich 3 Hosen übereinander an: lange Unterhose, Jeans und wasser- und winddichte Seglerhose. Dann kommen: T-Shirt, Sweatshirt, dünner Pullover aus Wolle, Faserpelz, Seglerjacke, Rettungsweste. Wollmütze an, Kapuze drüber und Skihandschuhe an! Ich will es nicht verschweigen: es gab auch Momente, so im windgeschützten Bereich der Sprayhood, an denen ich bei Sonnenschein meine Handschuhe und meine Wollmütze ausgezogen habe und die Sonnenstrahlen genossen habe.
Der Zustand des Logbuchs ist jämmerlich. Zuweilen kritisiert Rudi, man könne nicht einmal mehr erkennen, von wo nach wo es denn an dem jeweiligen Tage ginge. Ich finde, Rudi hat recht! Ich nehme mir vor, es besser zu machen. Aber keiner von uns navigiert mit Peilkompass, Standlinien, Kreuzpeilungen, Koppelorten .... Alle sind der Bequemlichkeit und Genauigkeit des GPS "verfallen", außer einem: "der unter der Kassiopeia schläft". Und der beschwert sich darüber. Aber so ab und zu findet sich in der Seekarte und im Logbuch doch auch das Kürzel "Ok" statt "Ob" und hier und da wurde auch mit dem Super-Feldstecher von Rudi gepeilt und einzelne "verschämte" Standlinien sind auch in der Seekarte zu finden. Also Rudi: es ist noch nicht alles mit uns verloren!
Bei Windstärke um die 4 weigere ich mich im Beilieger, an den Baum zu gehen um das heruntergeholte Grosssegel festzubändseln. Diese Aktion war mir bei 5 Grad Wassertemperatur zu waghalsig. Ich war der Meinung, der Motor müsse dazu laufen. Einige Tage später habe ich dann dazugelernt, dass dies wohl doch die beste Art (und eine sichere Art dazu) ist, das Großsegel zu bändigen. Rudi zweifelte schon an mir! Zu Unrecht Rudi, denn ich glaube es Dir jetzt.
Die An- und Ablegemanöver mit Motor klappen schon ganz gut. Selbst in eine Box im Jachthafen von 3,50 m Breite kriegen wir die Bavaria 36 mit einer Breite von 3,60 m 'rein. Wer kann das sonst schon? Weiter geht’s nach Norden. Der kleine Belt wird schmaler und schmaler und wir sind oft die einzigen "Eisbären", die unter Segeln unterwegs sind. Die Landschaft ist wunderschön! Es geht bis nach Middelfahrt. Frank steht "heldenhaft" für wirklich lange Zeit im Regen am Steuer. ( Er ist allerdings auch optimal geschützt: seine wirklich scharfe Sonnenbrille lässt absolut keinen Regentropfen durch.)
Andreas brät frische Fischfilets, die es dann mit Pellkartoffeln und einer Kräuter-Sahne-Quark-Sosse zusammen gibt. Bier dazu Mhhh! Das schmeckt wirklich gut.
In Fredericia, dem nördlichsten Punkt unserer Reise, umrunden wir ein ums andere mal eine grüne große Tonne unter Segeln. Rudi zeichnet die Kreise mit seinem immer griffbereiten Hand-GPS auf. Na ja, es werden wohl eher Spinnennetze, Fiberkurven, Aktienkursverläufe oder ähnliches, aber keine Kreise! Unser "Einhandsegler" macht’s mit Abstand am besten. (Ist klar!)
Hier legt Volker seinen übergroßen Respekt vor Schräglagen ab. Seinem Gesichtsausdruck im Verlaufe des Tages ist anzumerken: es klappt alles besser und besser, selbst bei Krängung mit gehöriger Schieflage, in der wir segeln. Wir verabschieden uns endgültig von dem Plan, Fünen zu umrunden. (Aber natürlich nur aus Zeitgründen wegen der anstehenden Prüfung!)
Es geht flott zurück. Wir schaffen es bis Fynshav auf Als. Wir kommen wieder (wie so oft) im Dunkeln an. Das hat allerdings auch jedes mal etwas von Abenteuer, in der Nacht nur mit Torfeuern und Hafenplänen in den Hafen zu navigieren. Es hat auf jeden Fall geklappt.
Ein weiterer Tag: Für heute verlieren wir endgültig die Seglerehre: Die Windrichtung ist für unsere Route ungünstig. Es gibt nur wenig Wind, und die Zeit sitzt uns im Nacken. Plan 1 nach Svendborg müssen wir beerdigen, Plan 2 nach Aerö wird ebenso fallengelassen. All diese Routen können wir nicht schaffen, weil wir pünktlich zurück in der Kieler Förde sein wollen. Dort findet halt die Prüfung statt. Also: Motor an.
Kiel hat uns wieder. Andreas und Frank üben Manöver über Manöver: mit Segel, mit Motor. Dann sind Volker, Thomas und ich dran. Es läuft alles so langsam besser und besser. Bei dem einen oder anderen allerdings noch mit Unsicherheiten wie: "Abfallen!" "Was?" "Öh ach doch anluven!" "OK". Abends entspannen wir uns bei gutem Essen und Bier im Restaurant für die Prüfung tags darauf. Die Bedienung ist charmant und nett.
Die Prüfung ist da. Gegen 13:00 steigt der Prüfer an Bord. Er ist so ein Typ von gemütlichem Seebär, der keinem etwas antun will. Die Atmosphäre ist für eine Prüfung recht gut. Alle machen ihre Sache so gut sie es eben können und ..... bestehen die Prüfung! Der Sekt fließt, die Kälte ist vergessen.
Es bleiben viele schöne Erinnerungen an interessante Erlebnisse, das Boot, die Gewässer, die Crew ...
Autor: Martin Smoch
A
Ablegen – Das war wie im normalen Wahnsinn: Timing bis zur letzten Sekunde. Meine Fähre von Juist kam pünktlich an 13 Uhr – der Wagen von Europcar war nicht da – also warten, suchen und Stress – 14 Uhr. Aber die Autobahn nach Kiel ist frei und ich komme nur mit geringfügiger Verspätung an – 17 Uhr. Und die Crew wartet auf mich – ein gutes Gefühl.
B
Backbord – ist links, wenn man in Fahrtrichtung schaut. Leider habe ich nicht solch einfache Merkschuhe oder Merkpullis wie Rudolf – rot/grün. Aber er ist ja dabei und wir finden den Weg raus aus dem Olympiahafen.
C
Chor – die Erwartung ist groß – singen wir jeden Abend ein Lied – lapaloma oder so? Fehlanzeige – aber ein Chor der Schnarcher wurde es doch.
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